20. Roter Tisch 1918-2018: Vor 100 Jahren Ende des 1. Weltkriegs

Veröffentlicht am 02.01.2019 in Allgemein

 

20. Roter Tisch 1918-2018: Vor 100 Jahren Ende des 1. Weltkriegs

mit Markus Meckel, Gründungsmitglied der SDP und ehemaliger Bundestagsabgeordneter und ehemaliger Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

 

Die Eingangsfrage, die Matthias Kollatz seinem Gast Markus Meckel stellte, lautete, wann er beschloss sich verstärkt mit diesem Thema zu beschäftigen. Meckel führte aus, dass er 2016 das Amt aufgab im Zusammenhang mit einem innerverbandlichen Konflikt, der gerade um solche Fragen ging, wie man des 1. Weltkriegs heute gedenken könne. Es sei ihm wichtig, dass man der Opfer von Krieg und Gewalt aus europäischer Perspektive gedenkt. Denn das Ende des 1.Weltkriegs war ja auch die Gründung bzw. Wiedergründung verschiedenster Staaten, wie beispielsweise Polen, Tschechien aber auch Österreich, die allesamt Demokratien sind. Andere Staaten wie Deutschland wurden mit der Novemberrevolution und der Abdankung des Kaisers zur Demokratie. Der demokratische Impuls nach dem 1. Weltkrieg komme übrigens aus den Vereinigten Staaten von Amerika.

Nicht jede Nation sollte national für sich feiern. Für die Franzosen, die eine ungeheure Zahl an Opfern zu beklagen hatten, war der 1. Weltkrieg, ebenso wie für die Belgier eine traumatische Erfahrung. Anders bei den östlichen Ländern, die vielfach eine gebrochene Erinnerungskultur haben und eher an den 2. Weltkrieg mit sehr vielen Toten erinnern.

Durch den „kleinen“ Versailler Vertrag habe sich der Balkan herausgebildet. Allerdings waren dort nicht nur Demokratien vertreten, wie Matthias Kollatz ergänzte. Zustimmend pflichtete Markus Meckel bei und verwies auf die jüngere Geschichte vor ca. 30 Jahren. Dort erwies sich die neue Ordnung im ehemaligen Jugoslawien als keine langfristige Friedensordnung, wie wir wissen.

Was war die Lehre, die die DDR aus dem 1. Weltkrieg zog, wollte Matthias Kollatz weiter wissen. Die knappe Antwort von Markus Meckel lautete: keine! Matthias Kollatz weiter, im Westen war die Novemberrevolution zunächst eher negativ dargestellt worden. Heute allerdings überwiegen die eher positiven Sichtweisen, was diverse Feiern zu diesem Datum belegen. Gründe dafür seien die Errungenschaften der Revolution nach dem 1. Weltkrieg, z.B. das Frauenwahlrecht oder auch der 8 Std/Tag (6 Tage die Woche).

Markus Meckel sagte, dass Diskussionen wie die im Westen in der DDR höchstens in der Kirche  stattfand. Man müsse bei der Novemberrevolution bedenken, dass der Kaiser der oberste Kirchenherr der evangelischen Kirche war, dass man sich aber sehr schnell auf neue Strukturen einigte und somit dem Demokratieimpuls folgte.

Eine der wichtigsten Lehren, so Meckel weiter, sei es die Verlierer mit "an den Tisch" zu holen und dass man versuchen sollte für getanes Unrecht einen Ausgleich zu schaffen. Dass man sich die Frage stellen sollte, welche Mechanismen, von Siegern und Besiegten zum Tragen kommen, wenn man danach noch miteinander leben will. Eine ethnische Säuberung stelle keine Friedensgarantie dar. Man muss die eigene Geschichte immer in einen internationalen Kontext stellen. Beispielsweise gebe es in Berlin keinen Ort mit einem internationalen Zusammenhang zum Gedenken an den Kalten Krieg. Ähnlich sei es auch mit dem 1. Weltkrieg. Erinnerungen sollte man international sichtbar machen und dafür Strukturen und Formate schaffen, die Bürgerinnen und Bürger verschiedener Länder untereinander ins Gespräch bringe. Beispielsweise sollte man den französischen Nationalfeiertag in Deutschland mitfeiern. Hinschauen was den anderen prägt und nicht wegschauen. Denn internationales Recht und der Völkerbund seien auch Errungenschaften des Ende des 1. Weltkriegs.

Auch seien Friedhöfe heute eher Orte der Erinnerung, als Orte der Trauer. Und In diesen Erinnerungskontext gehöre auch die Tätererinnerung. Matthias Kollatz fügte hinzu, dass Gefangene, Zivilisten und Zwangsarbeiter wenig sichtbar seien auf den Friedhöfen. Und schloss mit den Worten: „Das Gedenken der Zukunft kann keine nationale Trauer mehr sein“.

 

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